Musikverein Trachtenkapelle Menzenschwand e.V.

gegründet im Jahre 1876

 

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Chronik

(dargestellt von Aktivmitglied Michael Ehlert)

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Als sich am 16. Juni 1876 einige junge Männer der damals selbständigen Ortsgemeinde Hinterdorf zur Gründung eines Musikvereins zusammenfanden, da lebte man auch im hohen Schwarzwald in der Euphorie des glanzvoll erstandenen Kaiserreiches und in einer Zeit deutschnationaler Begeisterung, in der Musik- und Gesangvereine wie Pilze aus dem Boden schossen. In St. Blasien und Bernau war es bereits einige Jahre zuvor zur Gründung örtlicher Musikvereine gekommen und in der Ortsgemeinde Vorderdorf gab es seit 1864 den Männergesangverein.

Wen mag es wundern, dass die beiden damals rivalisierenden Ortsgemeinden Vorder- und Hinterdorf einander auch auf kulturellem Gebiet nicht nachstehen wollten. So entschlossen sich die „Hinterdörfler“ kurzerhand, einen Musikverein ins Leben zu rufen.

Die im Original noch erhaltenen Statuten sagten im § 1: „Der Musikverein Menzenschwand normal" Hinterdorf hat zum Zweck, die Förderung der Volksbildung durch die Pflege des Musiksinnes, den Ort zu heben durch ein größeres musikalisches Leben und vorkommende weltliche und kirchliche Feste durch dessen Mitwirkung zu verschönern.“

Wichtige Vereinsangelegenheiten wurden einer gemeinsamen Beratung unterzogen und nötigenfalls allen aktiven Mitgliedern zur Abstimmung vorgelegt. Die Dienstzeit der Vorstandsmitglieder dauerte jeweils ein Jahr, ihre Wahl erfolgte durch die aktiven Mitglieder in geheimer Wahl Im allgemeinen war zweimal wöchentlich je zwei Stunden Probe. Jeden Monat, so schrieben es die gestrengen Satzungen vor, hatte die Musik eine „öffentliche Produktion“ zu geben. Wer in einer Probe ohne Entschuldigung fehlte, hatte eine Strafe von 20 Pfennig zu bezahlen; das Fehlen bei einem Konzert kostete sogar 50 Pfennige. Wer mehr als 10 Minuten zu spät kam, musste die Hälfte der vorgenannten Strafgelder in die Vereinskasse bezahlen. Aktive Mitglieder mussten eine Aufnahmegebühr von 5 Mark entrichten, der Jahresbeitrag für passive Mitglieder betrug damals schon - also vor über 120 Jahren - 6 Mark pro Jahr. Die aktiven Mitglieder hafteten für die ihnen überlassenen Instrumente; Beschädigungen mussten aus eigener Tasche bezahlt werden. Aus den Einnahmen, die samt und sonders in die Vereinskasse flossen, wurden die Instrumente und Musikalien angeschafft und auch der Dirigent bezahlt. Auch wurden schon in den ersten Jahren Vereinsausflüge durchgeführt und aus der Vereinskasse bezuschusst. Die Statuten regelten auch eine eventuelle Auflösung des Vereins: Sollte die Zahl der aktiven Musiker auf weniger als vier absinken, so solle sich der Verein auflösen. Die Instrumente, Musikalien und übriges Vermögen musste von der Vorstandschaft zehn Jahre aufbewahrt werden. Bildete sich während dieser Zeit kein neuer Verein, so sollte alles Vereinsvermögen zu einem wohltätigen Zwecke verwendet werden. Leider fielen die ersten Protokollaufzeichnungen des Vereins einem Totalbrand des Hauses von Erwin Maier im Jahr 1947 zu Opfer. Nachforschungen in den Protokollbüchern der Freiwilligen Feuerwehr Menzenschwand, dem Gemeindearchiv, und Forschungen des Chronisten für die „Orts“-Chronik Menzenschwand brachten aber einiges wieder zu Tage. Die Statuten des Jahres 1876 sind von den Gründungsmitgliedern Peter Kaiser, Benedikt Kaiser, Reinhard Maier, Eduard Kaiser und Viktor Spitz unterschrieben. Vorsitzender war der damalige Lehrer an der Schule Hinterdorf, Reinhard Schäfer. Erster Dirigent wurde Daniel Köpfer aus Todtmoos. Mit ihm wurde am Gründungstag ebenfalls ein Vertrag abgeschlossen, in dem es heißt: „Nachdem Daniel Köpfer zum Dirigenten des Vereins gewählt worden ist, verspricht derselbe, die aktiven Mitglieder in den verschiedenen Instrumenten zu unterrichten, täglich eine Probe zu halten, Produktionen und öffentliche Aufführungen zu leiten und den Verein durch fortschreitenden Erwerb musikalischer Kenntnisse und Fähigkeiten zu erhalten. Die in fortschreitender Schwere nötigen Musikstücke hat der Dirigent selbst zu schreiben oder zu stellen. Für diese Mühen erhält Daniel Köpfer von dem Musikverein freie Verköstigung und wöchentlich drei Mark Lohn.“ Am 11. Dezember 1881 übernahm Bernhard Schlachter aus Schmalenberg das Amt des Dirigenten. Als Entlohnung erhielt er 50 Mark pro Jahr, freie Logis und eine Anstellung in der damaligen Holzwarenfabrik Emil Maier. Ferner sollten ihm alle Einnahmen aus Konzerten und Produktionen zufließen. Dafür hatte er für alles zu sorgen, „was zur Erlernung der Musik notwendig ist.“ Mit Eduard Dilger (1906 wurde er Gründungsdirigent des Musikvereins Bernau-Außertal), Schmied und Ehemann einer Cousine von Hans Thoma aus Bernau erhielt der Verein 1886 bereits seinen dritten Dirigenten. Aus seinem Vertrag entnehmen wir: „In den Proben dürfen keine Dummheiten, Zänkereien usw. verübt werden, oder, wie es schon vorkam, dass einige die Musik besser kennen wollen als der Vorstand.“ Wenn Tanzmusik gespielt wurde, erhielt jeder der Musikanten einen Taglohn von einer Mark, der Rest floss in die Musikkasse. Der Verein hatte damals 13 aktive Mitglieder: den späteren Bürgermeister Wilhelm Maier, Reinhold Maier, Oskar Beckert, Ludwig Spitz, Benedikt Kaiser, Eduard Kaiser, August Waßmer, Viktor Spitz, Josef Ruch, Reinhard Maier, Heinrich Spitz, Engelhard Spitz und Karl Kaiser Schon bald nach ihrer Gründung war die Kapelle in der Lage, die weltlichen und kirchlichen Feste des Jahres mitzugestalten. Deshalb entschloss sich der Gemeinderat auch, den Verein mit Mitteln aus der damaligen Winterhalter-Stiftung finanziell zu unterstützen. Bei seinem Tod am 8. Juli 1873 hinterließ der Fürstenmaler Franz Xaver Winterhalter seiner Heimatgemeinde Menzenschwand 50.000 Franken mit der Bestimmung: (...) “deren Zinsen jährlich zur Unterstützung der Jugend, die nützliche Handwerke, Künste oder Wissenschaften erlernen wollen, teils zur Unterstützung hilfsbedürftiger Armen“(...) verwendet werden sollten. Bereits in den Jahren 1877 und 1878 erhielt der Musikverein jeweils 70 Mark aus dieser Stiftung, 1880 und 1881 gab es jeweils 100 Mark und 1887 wurden schließlich weitere 100 Mark genehmigt. Der Verein kaufte mit diesem Geld unter anderem in Freiburg ein Bombardon (Bass-Tuba) für 74,30 Mark. Nachdem 1880 in Menzenschwand eine freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, schlossen sich die Mitglieder des Musikvereins der Feuerwehr an, die ihrerseits Signalbläser zur Übermittlung der verschiedenen Einsatzbefehle benötigte. Als selbständige Gruppierung wurde neben dem „Feuerwehrdienst“ das Spiel und die Technik auf den Instrumenten geübt. Über diese Zusammenarbeit wurde in einer Aufsichtsratssitzung der Feuerwehr Menzenschwand im April 1887 folgendes beschlossen: „50 Mark, die von der Winterhalterstiftung der Musik übergeben wurden, werden von Bürgermeister Peter Maier zurückbezahlt, dagegen Wilhelm Maier (dessen Sohn) ein Schuldschein für sein Instrument ausgestellt. Die Musik spielt fort, wie bisher, der Dirigent Eduard Dilger von Bernau wird beibehalten.“ Der spätere Bürgermeister Arnold Mayer wurde zum Vorsitzenden und Josef Schwörer zum Stellvertreter der „Musikgesellschaft“ ernannt. Beide übernahmen 1.Vorsitzender 1887 die Stelle unter der Bedingung, „daß strenger nach den Statuten verfahren werde“. Peter Kaiser wurde Kassierer und die Kasse unter Revision der Feuerwehrkasse gestellt; Eduard Kaiser wurde Schriftführer. Unter den begabten Nachwuchsmusikern, die von Eduard Dilger ausgebildet wurden, fiel besonders der hochtalentierte Eduard Kapferer auf. Er wurde 1897 Nachfolger von Dilger als Dirigent des Musikvereines und versah dieses Amt in geradezu vorbildlicher Weise 51 Jahre lang - mit einer kurzen Unterbrechung, während der Emil Kaiser den Verein leitete - bis zu seinem krankheits- und altersbedingten Ausscheiden am 28. Oktober 1948. Älteste Aufnahme des Musikvereins Menzenschwand:

Es zeigt das Hochzeitsbild des Schneflers und Schachtelmachers Wilhelm Maier, der damals zu den aktiven Musikern zählte und von 1902-1911 Bürgermeister war, mit seiner Braut Theresia Baur am 16.05.1892 vor dem Gasthaus zum Hirschen. Die Musiker, v.l.n.r.: Eduard Dilger (Dirigent), Benedikt Kaiser, Ludwig Spitz, unbekannt, Eduard Kapferer, Peter Kaiser, Eduard Spitz, Otto Spitz, Reinhard Maier, Engelhard Maier, Viktor Spitz, Eduard Kaiser In diesen mehr als fünf Jahrzehnten war Eduard Kapferer Seele und Motor des Vereins, den er mit seiner außergewöhnlichen musikalischen Begabung und einer fast fanatischen Liebe und Begeisterung für die Musik zu hohem Ansehen führte. Zwei Weltkriege unterbrachen sein Schaffen, zwei Kriege, die auch in die Reihen der aktiven Musiker rissen. Im 1. Weltkrieg waren es fünf, im 2. Weltkrieg sechs Musiker, die auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen ihr Leben lassen mussten. Unverzagt baute Kapferer die Kapelle jedes Mal wieder neu auf, so im Jahre 1919, als er zum Dirigentenamt hin auch noch den Vorsitz des Vereins übernahm und mit den aus dem Krieg heimgekehrten Musikern sofort den Neubeginn einleitete und so vor allem auch nach dem 2. Weltkrieg, als er - lange bevor die französische Militärregierung die Vereinsgründung erlaubte - in seiner Wohnstube die jungen Musiker ausbildete und wieder erste Proben abhielt. Der Menzenschwander Musikverein würdigte seine großen Verdienste durch seine Ernennung zum Ehrendirigenten. 

Der Musikverein Menzenschwand vor dem Rathaus beim 25jährigen Bestehen 1901  sitzend v.l.n.r.: Ernst Klingele, Eduard Wild, Benedikt Kaiser, Peter Kaiser, Eduard Kapferer (Dirigent), Reinhard Maier, Viktor Spitz, Emil Spitz stehend: Eduard Spitz, Ernst Schlageter, Otto Spitz, Emil Maier, Hermann Behringer, Josef Ruch Im Jahr 1901 feierte der noch junge Verein sein 25jähriges Bestehen, über einen erfolgreichen Auftritt schreibt die „St. Blasier Zeitung“ am 27. Dezember 1905: „Gestern Abend fand im Gasthof „Zum Hirschen“ dahier ein Konzert des Musikvereins statt, das sich eines zahlreichen Besuchs erfreute, und welches neuerdings wieder zeigte, dass die Musiker eifrigst bestrebt sind, unter ihrer bewährten Leitung sich immer mehr zu vervollkommnen. Außer dem musikalischen Genuß wurde den Besuchern noch eine weitere Überraschung geboten, nämlich ein elektrisch beleuchteter Christbaum. Wer jetzt noch nicht glaubt, dass es in Menzenschwand hell geworden ist, dem ist nicht mehr zu helfen.“ 

Der Musikverein Menzenschwand Anfang der 20er Jahre vor dem Gasthof „Waldeck“ liegend, v.l.n.r.: Arthur Waßmer, Peter Spitzsitzend: Ernst Kaiser II, Johann Maier (Vorsitzender), Eduard Kapferer (Dirigent), Heinrich Kapferer, Ernst Schlageter

stehend: Emil Spitz, Ernst Kaiser I, Albin Lonardoni, Hugo Kaiser, Emil Kapferer, Ludwig Spitz, Kajetan Bekert, Emil Kaiser, Erwin Maier, Georg Kapferer, Eduard WildNachdem man 1922 dem heutigen Blasmusikverband Hochrhein beitrat, wurde der spätere Bürgermeister Johann Maier von 1922 bis 1933 Vorsitzender des Musikvereins; während seiner Amtszeit konnte 1926 das 50jährige Vereinsjubiläum begangen werden. Unter seinem Vorsitz, unterstützt von seinem Stellvertreter Emil Kapferer, Schriftführer Erwin Maier und Kassierer Ernst Schlageter, wurde das Jubiläum gefeiert.

In jenen Jahren wurden die Musikproben in der gemeinsamen Wohnstube der Berta Spitz Wwe./ Sigmund Ganter (heute Lore Ehlert) abgehalten, wofür der Verein einen jährlichen Mietzins von 60 RM zu bezahlen hatte. Nach einem schriftlichen Antrag an die Gemeindeverwaltung wurde die Zustimmung erteilt, die Proben zukünftig in den Schulräumen des Rathauses durchzuführen. Später wurde dann dort im Dachgeschoss in Eigenarbeit ein Musikzimmer eingerichtet, bis die große Mitgliederzahl den Verein zwang, sein Probenlokal ins Kurhaus Menzenschwand zu verlegen. Von 1933 bis zum 2. Weltkrieg war Peter Spitz 1. Vorsitzender. Leider war es ihm nicht vergönnt, wieder in seine Schwarzwaldheimat zurückzukehren. Aus Anlass des 60jährigen Jubiläums 1936 wurden erstmals Musikuniformen angeschafft.

Siegfried Wild übernahm 1948, schon kurz nach seiner Rückkehr aus französischer Gefangenschaft, den Dirigentenstab aus der Hand von Eduard Kapferer. Als Militärmusiker hatte er eine gediegene musikalische Ausbildung erfahren, und so blieben die Erfolge nicht aus. Bald hatte sich der Verein auch über die Grenzen der Heimatgemeinde hinaus wieder einen ausgezeichneten Ruf erworben und auch bei verschiedenen Wertungsspielen erhielt die Kapelle ausgezeichnete Kritiken. Für einige Jahre war Siegfried Wild auch Bezirksdirigent des Bezirks V im Blasmusikverband Hochrhein.

Eng mit dem Neuaufbau nach dem Kriege verbunden ist auch der Name des langjährigen Vorsitzenden, des späteren Ehrenvorsitzenden Hans Maier. Er hatte sein Amt im November 1949 übernommen und mit ihm eine junge Vorstandschaft: der spätere Bürgermeister und Ortsvorsteher Walter Schlageter war 2. Vorsitzender, Alfred Schäfer Schriftführer, Paul Kaiser Kassierer, Günter Koch Notenwart und Ausbilder für die Zöglinge. Es begann eine neue Ära, in der der Verein einen steilen Aufstieg nahm. 1948 wurde Emil Spitz 2. Vorstand und 1950 übernahm Ernst Spitz das Amt des Schriftführers. Zu den Männern der „ersten“ Stunde, die dem Verein nach dem Kriege wieder zu neuer Blüte verhalfen, zählten neben Eduard Kapferer und Eduard Wild vor allem die noch aus der Vorkriegszeit übrig gebliebenen aktiven Ernst Kaiser, Erwin Maier, Emil Kaiser, Emil Kapferer, Karl Kistler, der spätere Bürgermeister Arthur Waßmer, Eugen Wild, Anton Wild, Otto Rogg, Franz Baur, Heinrich Kapferer und Adolf Böhler, sowie die „Jungen“, die zum Teil gerade erst aus der Gefangenschaft heimgekehrt oder aus der Schule entlassen waren: Hans Maier, Alfred Schäfer, Walter Schlageter, Adolf Schlageter, Karl Höfler, Walter Dietsche, Günter Koch, Paul Kaiser, Josef Waßmer, Erich Maier und Rudolf Behringer. Ein erster musikalischer und auch gesellschaftlicher Höhepunkt im Musikleben der Nachkriegsjahre war 1951 das 75jährige Jubiläumsfest des Vereins, das über die Grenzen der Heimat hinaus große Beachtung fand. 

Der Musikverein Menzenschwand beim 75jährigen Bestehen 1951             

1. Reihe v.l.n.r.: Josef Waßmer, Helmut Höfler, Paul Kaiser, Hans Maier (Vorsitzender), Heinrich Kapferer, Erich Maier, Ernst Spitz 

2. Reihe : Günther Koch, Otto Rogg, Karl Höfler, Edwin Schäfer, Erwin Maier, Emil Kapferer 

3. Reihe: Eugen Kistler, Emil Spitz, Walter Schlageter, Ewald Kaiser, Siegfried Wild (Dirigent), Eugen Wild, Walter Dietsche

4. Reihe: Karl Kistler, Ernst Kaiser, Franz Baur, Erich Spitz, Erwin Spitz.

In jenen Nachkriegsjahren entstand auch - aus einem echten Bedürfnis in der damaligen Zeit - als Unterabteilung des Musikvereins, die von dem hochtalentierten Musiker Günther Koch aufgebaute und geleitete Tanzkapelle „Moritz“. Immer wieder fanden sich junge und engagierte Musiker zu einer Tanzmusikabteilung zusammen, so 1975 die spätere „Menzo-Dance-Band“, „Ewald´s fröhliche Dorfmusik“ und heute die „Original Hochschwarzwälder Musikanten“.

Kein kirchlicher oder weltlicher Anlass ohne Musikverein war mehr denkbar und immer zahlreicher wurden auch die Verpflichtungen im Rahmen des örtlichen Fremdenverkehrs: Kurkonzerte, Heimatabende, Tanzveranstaltungen und Waldfeste. Auch die enge und fruchtbare Zusammenarbeit mit der damaligen Trachtengruppe ließ den Musikverein, der inzwischen auch als Trachtenkapelle auftrat, zu einem bedeutenden Kulturfaktor in der aufstrebenden Fremdenverkehrsgemeinde werden. In jene Jahre fielen auch zahlreiche gemeinsame Auftritte der Menzenschwander Trachtenträger im In- und Ausland - teilweise sogar als offizielle Vertretung der Bundesrepublik Deutschland. Mit Hans-Otto Maier übernahm 1962 ein rühriger Vorsitzender das Steuer des Vereins. In seiner Amtszeit gab es vier Dirigenten. 1966 gab Siegfried Wild den Dirigentenstab an seinen bisherigen Vizedirigenten Günther Koch ab, und 1968 übernahm schließlich Bruno Gutmann aus Häusern die musikalische Leitung des Vereins. Nach zweijährigem erfolgreichen Wirken konnte er 1970 sein Amt an seinen jungen Vizedirigenten Ewald Kaiser abgeben, der sich auf mehreren erfolgreich besuchten Lehrgängen weitergebildet hatte. 

                                                                    

Dirigent Günther Koch            Vorsitzender Hans-Otto Maier              Bruno Gutmann 

Dem Trend der Zeit folgend, vollzog sich in den folgenden Jahren eine bemerkenswerte Verjüngung in den Reihen der aktiven Musiker und am 10. Februar 1973, als Hans-Otto Maier nach mehr als einem Jahrzehnt aufopfernder Arbeit sein Amt zur Verfügung stellte, übernahm mit Rupert Rogg als 1. Vorsitzenden, Siegfried Wild als 2. Vorsitzenden, Alois Denz als Kassierer und Peter Manns als Schriftführer, auch eine junge Vorstandschaft das Steuer des Vereins. Gleichzeitig wurden damals auch 11 Zöglinge - darunter erstmals in der Vereinsgeschichte fünf Mädchen - nach gründlicher Ausbildung in die Reihen der aktiven Musiker aufgenommen: Angela Kaiser, Carina Kaiser, Gerlinde Schlageter, Monika Schlageter, Cornelia Schmierer. 

Nach umfangreichen Vorbereitungen wurde vom 23.-26. Juli 1976 das 100jährige Jubiläum gefeiert. Bereits am 17. Juli hatte nach der Totenehrung auf dem Friedhof im Hinterdorf ein Festbankett im damals neu erbauten Kurhaus Menzenschwand stattgefunden, wo der Verein die „PRO MUSICA-PLAKETTE“ für sein langjähriges Wirken erhielt.

Der Musikverein bei seinem 100jährigen Bestehen 1976

1. Reihe, v.l.n.r.: Paul Kaiser, Erich Maier, Joachim Kaiser, Angela Kaiser, Monika Schlageter, Rupert Rogg (Vorsitzender), Cornelia Schmierer, Dieter Kaiser, Ewald Kaiser (Dirigent)

2. Reihe: Hans-Rainer Maier, Burkhard Wild, Roland Schäuble, Michael Albrecht, Andreas Schlegel, Siegfried Wild, Carina Kaiser, Peter Manns, Gerlinde Schlageter

3. Reihe: Hans-Otto Maier, Bernd Schmierer, Lorenz Dietsche, Georg Albrecht, Rudolf Rogg, Harald Spitz, Matthias Bächle, Kurt Manns, Alois Denz, Günther Spitz, Gerhard Lorenz, Egon Wild

4. Reihe: Siegfried Kaiser, Günter Kaiser, Karl Höfler

Höhepunkte des Vereinsleben der folgenden Jahre waren neben dem alljährlichen Weihnachtskonzert vor allem auch die Konzertreisen, die gleichzeitig auch Dank an die aktiven Musiker für ungezählte Stunden selbstloser Vereinsarbeit sind. Fast immer galt dabei das besondere Augenmerk auf eine gleichzeitige Fremdenverkehrswerbung und der Kontaktpflege mit befreundeten Vereinen oder auch langjährigen treuen Kur- und Feriengästen der Gemeinde. So finden sich in der Vereinschronik viele Kontakte zu Freunden der Blasmusik im In- und Ausland.

Beim 110jährigen Jubiläum wurde auch durch den Gartenbauverein Langenfeld dem Verein eine Vereinsfahne gestiftet, ein Beweis für die jahrelange Freundschaft zu diesem Verein. Durch ihn kann der Musikverein auch auf seinen größten öffentlichen Auftritt zurückblicken, als man 1985 vor der Kulisse des Düsseldorfer Stadions vor über 25.000 Zuschauern musizierte.

Rupert Rogg wurde am 26. Dezember 1993, nach 20jähriger Tätigkeit, als 1. Vorsitzender, zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit viel Engagement und Zeitaufwand steuerte er das Vereinsschiff und zeichnete sich für die Durchführung des 100 und 110jährigen Jubiläumsfestes (1976/1986) verantwortlich. Unter ihm wurden auch die Musikerinnen in der Menzenschwander Frauentracht eingekleidet. Er ist auch heute noch aktives Mitglied und als Präsident dem Verein stets verbunden.

Mit Andreas Mayer wurde 1993 ein neuer Vorsitzender gewählt, dem heute eine engagierte Vorstandschaft zur Seite steht. Der Musikverein im Jahr 1993, erstmals die Musikerinnen in Tracht

Aus Anlass des 120jährigen Bestehens 1996 wurde auch das Amt des Dirigenten in jüngere Hände gelegt. Nach über 25jähriger Tätigkeit übergab Ewald Kaiser den Taktstock an seinen Sohn Joachim Kaiser, und wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Sicher wusste man 1970 schon um die hohe Musikalität des Dirigenten Ewald Kaiser, es war aber wohl nicht unbedingt vorauszusehen, dass er die Kapelle zu außergewöhnlichen musikalischen Höhen und von Erfolg zu Erfolg führen würde. Wohl noch nie in seiner Vereinsgeschichte erlebte der Musikverein derartige Erfolge, der sich sowohl in musikalischer als auch im personellen Bereich aufzeigte. Über 1000 Auftritte und ebenso viele Proben leitete er, 100 Zöglinge erhielten durch ihn eine musikalische Ausbildung. Dafür mag der 5. Februar 1982 Beispiel sein, als 20 Zöglinge aktiv aufgenommen werden konnten, und der Mitgliederstand auf den höchsten Stand von 70 Musikern stieg. Viele Jahre war er auch Bezirksvorsitzender des Arbeitsbezirkes V im Blasmusikverband Hochrhein. Auch heute noch ist er der Musik verbunden geblieben, den Taktstock tauschte er mit der Klarinette. 

Im Jahre 2000 unternahm der Musikverein seine bisher weiteste Konzertreise, die ihn nach Alfara del Patriarca/ Valencia in Spanien führte. 

Mit den vom 9.-11. Februar 2001 in Menzenschwand durchgeführten 4. Alpinen Deutschen Musikanten-Skimeisterschaften Musikanten-Skimeisterschaften eröffnete der Musikverein sein Jubiläumsjahr 2001. Mit einem anspruchsvollen Rahmenprogramm wurden nicht nur die Gäste, sondern auch Freunde der Blasmusik unterhalten. Im Teamwork mit dem Skiclub Menzenschwand wurde das Rennen durchgeführt. Zwar musste das Rennen aufgrund der Schneeverhältnisse auf den Feldberg verlegt werden, doch den über 270 Teilnehmern aus Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg bot sich ein märchenhaftes Wetter. Jubel gab es bei den Menzenschwandern, als mit Aktivmitglied Joachim Gfrörer der Deutsche Musikanten-Skimeister aus den Reihen des Vereins kam. 

Die Ehrenmitglieder des Musikverein Menzenschwand im Jubiläumsjahr 2001 sitzend von links: Erich Maier, Paul Kaiser, Karl Höfler, Hans-Otto Maier, Dieter Kaiser stehend von links:Ewald Kaiser Ehrendirigent, Rudolf Rogg, Günther Spitz, Gerhard Lorenz, Rupert Rogg Ehrenvorstand 

nicht auf dem Bild: Günther Koch 

Mit dem Festbankett am 21. Juli 2001 wurde das Jubiläumsfest eingeläutet. Viel Prominenz von politischer und musikalischer Seite war erschienen, um gemeinsam den Verein zu feiern. An diesem Abend wurden auch zwei verdiente Musiker geehrt. Ehrendirigent Ewald Kaiser wurde für 50 Jahre und sein Sohn, Dirigent Joachim Kaiser für 25 Jahre aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet. Verbandspräsident Hans Bayer stellte die ganz besondere Konstellation in der Vereins- und Verbandsgeschichte hervor. Unter langanhaltendem Applaus von allen Anwesenden wurde auch Günther Koch nach 55 Jahren aktiver Mitgliedschaft, davon von 1966-1968 als Dirigent verabschiedet. Die zentrale Jubiläumsfeier fand vom 27.-29. Juli 2001 statt. Der Festauftakt erfolgte mit dem Fassanstich und musikalischer Umrahmung durch den Musikverein „Alfara del Patriarca“ aus Valencia/ Spanien, die zum Gegenbesuch angereist waren. Am Samstagabend lockte das deutsch-spanische Musikprogramm eine große Zuschauerzahl zum Kurhaus, wo die Musikvereine Bernau und die Gäste aus Spanien hochwertige Blasmusik in einem Freiluftkonzert darboten. Der Festsonntag begann mit einer Feldmesse und anschließenden Morgenkonzert der Stadtmusik Laufenburg. Unvergessen wird der Festumzug mit anschließendem Nachmittagskonzert bleiben; während rings um Menzenschwand starke Gewitterregen niedergingen, herrschte in Menzenschwand bestes Festwetter. So waren nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker vollauf begeistert von der besonderen Atmosphäre, da die gesamte Veranstaltung unter freiem Himmel am Kurhaus stattfand. Mit einem Abschlusskonzert des Musikvereins „Alfara del Patriarca“ endete das Jubiläumsfest am Sonntagabend. Die Arbeit der mit der Organisation Beauftragten hatte sich bewährt und fand auch eine breite Unterstützung der Menzenschwander Bevölkerung. Im Januar 2002 übergab Andreas Mayer sein Amt als Vorsitzender nach 9-jähriger Tätigkeit an Andreas Kaiser. Ihn unterstützen erstmals 2 stellvertretende Vorsitzende Michael Spitz und neu Jörg Maier.

 

Nachdem Norbert Eichin 2004 Vorsitzender wurde, leitet seit 2006 Elmar Wild mit einer engagierten Vorstandschaft die Geschicke des Vereins.

                 

Erstmals wurden im Jahr 2009 mit Monika Leber, Gerlinde Kiefer und Carina Maier weibliche Ehrenmitglieder ernannt, die 1974 als erste Musikerinnen in den Verein aufgenommen wurden.

 

Das 140jährige Jubiläum wurde am 16. - 17. Juli 2016 vor dem Kurhaus Menzenschwand mit den Bezirksvereinen bei bestem Sommerwetter gefeiert.

 

 

Ehrenmitglieder 2016, v.l.: Joachim Kaiser, Gerlinde Kiefer, Bernhard Schlegel, Carina Maier, Michael Ehlert, Hans-Otto Maier, Ewald Kaiser, Dieter Kaiser, Elmar Wild, Gerhard Lorenz, Rupert Rogg, Günther Spitz, Rudolf Rogg, Monika Leber.

nicht auf dem Bild: , Wolfgang Baur, Peter Manns, Michael Spitz

 

 

 

Aktive Mitglieder 2016

 

In die Nachwuchsförderung hat der Musikverein Menzenschwand seit je her viel Zeit und Mühen investiert, um die Zukunft des Vereins zu sichern. Dank engagierter aktiver Mitglieder und externer Referenten konnte die Ausbildung und Förderung ausgebaut werden. So wird im Kindergarten mit der musikalischen Früherziehung begonnen, über eine Flötengruppe oder das einfache Musizieren an Instrumenten ohne Vorkenntnisse haben viele Kinder Lust und Interesse zum Spielen eines Instrumentes bekommen. So stehen derzeit ca. 25 Kinder in Ausbildung, um wie die (2016) 45 Aktiven Mitglieder im Verein einmal mitzuwirken.

 

So wird auch in den nächsten Jahren die Blasmusik im Menzenschwander-Tal erklingen, zur Unterhaltung und Freude der Bevölkerung und der zahlreichen Kur- und Feriengäste.

 

 

Menzenschwand, im August 2016 (Michael Ehlert)